Wittgensteiner Fichten bald in Bombay
Containerverladung beschleunigt Holzabfuhr aus dem Wald
- Indien ordert 5 000 Festmeter - Anschlussgeschäft
in Planung
Von Karl-Peter Rasche (Text und Fotos)
Erndtebrück. (wp) Weite Wege sind für Brummi-Fahrer
Harald Schwarz Alltag. Aber so weit in den Wittgensteiner
Forst hat sich der Cuxhavener noch nie vorgewagt. Tief
im Elberndorftal steht sein gewaltiger Container-Laster
neben einem Holztransporter und wird Stamm um Stamm befüllt.
Die Wittgensteiner Fichten haben eine lange Reise vor
sich, zunächst nach Bremerhaven - und dann nach Indien.
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Harvester im Einsatz: 50
000 bis 60 000 Festmeter Fichten hat der Orkan „Kyrill”
allein im Revier Elberndorf umgelegt. |
„Das ist Holz, um
das ich mir keine Gedanken mehr machen muss.”
Revierförster M. Mennekes |
Es ist ein ungewöhnliches Geschäft, das der
Staatsforst abgeschlossen hat. Aber es ist eins, das bei
der Lösung der enormen Absatz- und Logistikprobleme
nach dem Orkan „Kyrill” in der Region hilft.
5 000 Festmeter Wittgensteiner Fichte haben die Inder
allein für das erste Halbjahr geordert - ein Anschlussgeschäft
ist schon geplant. 500 Festmeter Fichtenstammholz mittlerer
Güte werden pro Woche im Elberndorftal verladen.
„Bei uns wäre das Bauholz. Ich gehe auch davon
aus, dass es in Indien dann auch so weiterverarbeitet
wird”, sagt Peter Lemke vom Forstamt Hilchenbach.
Im Grunde genommen kann ihm das aber auch egal sein. Wichtiger
ist, dass der Abfluss des Holzes aus dem Wald, „unser
größtes Problem”, mit dem Container viel
schneller funktioniert als auf konventionellem Weg. Der
Container-Lkw parkt auf einem befestigten Weg am Waldrand,
der allradgetriebene
Langholztransporter schafft die Stämme über
die arg verschlammten Waldwege heran. Der Fahrer muss
sie dann nur noch per Kran in den Container verladen und
kann schon wieder umdrehen.
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Filigranarbeit: Mit dem
Kran werden die zwölf Meter langen Fichtenstämme
in den Überseecontainer verladen. |
Harald Schwarz macht sich inzwischen mit dem Container,
gefüllt mit 12 Meter langen
Fichtenstämmen, insgesamt rund 28 Festmetern, auf
den Weg nach Bremerhaven. 10 bis 12 Fuhren gehen so täglich
auf die Reise - mit dem Langholzlaster wären es vielleicht
zwei.
„Das ist Holz, um das ich mir keine Gedanken mehr
machen muss, wenn demnächst der Käferflug einsetzt”,
freut sich Revierförster Matthias Mennekes. Auch
wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.
50 000 bis 60 000 Festmeter hat der Orkan „Kyrill”
allein im Revier Elberndorf zu Boden gestreckt. Die aufzuarbeiten,
ist sein kleinstes Problem. „Das wäre innerhalb
einiger Monate zu schaffen.” Genug Kapazitäten
sind bei den entsprechenden Fachfirmen vorhanden, weil
die Sturmschäden ja nur regional aufgetreten sind:
„Aber irgendwie muss das Holz ja auch aus dem Wald
heraus.” Und es muss, wenn es denn nicht per Container
Richtung Indien abfließt, auch zwischengelagert
werden. Deshalb ist seit gestern bei Altenteich auch ein
Nassholzlagerplatz für 20 000 Festmeter eingerichtet
worden. Es gäbe auch noch die Möglichkeit der
chemischen Konservierung. „Aber das ist”,
nicht nur für Matthias Mennekes, „nur der letzte
Ausweg”.
Rothaarsteig bald frei
Während die ersten Wittgensteiner Stämme schon
auf dem Weg nach Bombay oder
Karatschi sind, wird auf dem Zinser Rücken weiter
gesägt und verladen. Zwei Harvester und entsprechende
Rückemaschinen und Holzstransporter sind im Einsatz.
Und im Forstamt arbeitet man weiter an einer zeitnahen
Vermarktung.
„Vom Internet bis zu Fachzeitschriften und Holzgroßhändlern
nutzen wir alle Möglichkeiten”, sagt Peter
Lemke. Weitere Containerfrachten wären ihm lieb.
Ein Teil der Fichtenstämme soll, so ergänzt
Matthias Mennekes, auch auf die Schiene gehen. „Aber
die Bahn ist da oft nicht so flexibel.” Touristisch
gibt es unterdessen einen ersten Lichtblick. In einigen
Wochen soll der Rothaarsteig zumindest im Bereich des
Staatsforstes wieder offen sein. Auf etliche Fichten am
Wegesrand werden die Wanderer dann aber verzichten müssen.
Aus der Wittgensteiner Post vom 10.03.2007
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