250 Festmeter Holz auf dem Weg nach Indien
Derzeit laufen die Waldarbeiten im Elberndorftal auf
Hochtouren / Zehn Überseecontainer wurden gestern
losgeschickt
vg Erndtebrück. Der Harvester bahnt sich am Zinser
Rücken seinen Weg durch das Kyrill-geschädigte
Gebiet. Die Maschine nimmt tonnenschwere abgeknickte Stämme
auf, ergreift sie mit einem mächtigen Kranarm, als
wären es Mikado-Stäbe. Problemlos nimmt der
so genannte Holzvollernter die nächste Steigungund
gräbt sich durch den aufgewühlten Morast. Äste
splittern, die hydraulisch angetriebene Kettensäge
am Kranarm leistet hervorragende Arbeit. In Bruchteilen
von Sekunden ist der nächste Stamm entastet. Späne
rieseln wie feiner Staub zu Boden. Der Kran schwenkt herum,
sucht sich das nächste Holz.
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Äste splittern, Späne
rieseln wie feiner Staub zu Boden: Der Harvester
leistet mit seiner hydraulisch angetriebenenen Kettensäge
ganze Arbeit. |
Mit einem mächtigen
Greifarm verlädt derLangholztransport-Lkw die
Stämme. |
Derzeitlaufen die Arbeiten im Revier Elberndorf auf Hochtouren.
„Wir haben mit einem süddeutschen Holzhändler
(Firma Hess GmbH Forstservice - Anm.
der Internetredaktion) Kontakt aufgenommen“,
erklärt Matthias Mennekes, Leiter des Reviers Elberndorf
und bleibt mitten zwischen zwei frisch gesägten Baumstümpfen
stehen. Dann blickt er in das Tal zu seinen Füßen,
in denen der Harvester ununterbrochen arbeitet.
„Das Holz, was hier aufgearbeitet wird, wird noch
vor Ort an Container-Lkw verladen“, erklärt
Peter Lemke, Förster im Forstamt Hilchenbach, der
gerade aus seinem Geländewagen gestiegen ist. „Die
Lkw bringen das Holz dann weiter nach Bremerhaven.“
Von hier aus treten sie mit den Stämmen aus den heimischen
Wäldern eine lange Reise an: nach Indien.
„Pro Woche werden hier 500 Festmeter aufgearbeitet“,
sagt Peter Lemke. Kollege Matthias Mennekes schaut derweil
durch das Objektiv seiner Digitalkamera, zoomt den Harvester
näher heran. „Im Grunde ist die Maschine rund
um die Uhr im Einsatz“, sagt er und drückt
auf den Auslöser. Wieder knistert das Geäst.
Wieder „schält“ sich der Stamm im Kranarm
inwenigen Augenblicken.
Insgesamt zwei Harvester sind derzeit Tag und Nacht im
Revier im Einsatz. „Ohne die wäre die Arbeit
hier nicht zu machen“,sagt Matthias Mennekes. Darüber
hinaus leisten viele Rücke-Maschinen ihren Dienst.
Über so genannte Langholztransport-Lkw, mit einem
Kran an Bord, kann das bearbeitete Holz wenige Meter vom
Harvester entfernt direkt verladenwerden. „Es kommt
uns natürlich entgegen, dass die Lkw jetzt nur kurze
Wege fahren, wo sie doch sonst lange Fahrten bis zum nächsten
Sägewerk auf sich nehmen müssen“, so Peter
Lemke. „Sobald das Holz im Container ist, ist die
Sache für uns als Forstamt auch schon abgewickelt.
Den Rest übernimmt der Holzhändler aus Süddeutschland.
Er hat auch den Kontakt nach Indien hergestellt.“
Das Holz sei derart aufgearbeitet, dass es direkt in Indien
weiterverarbeitet werden könne: „Ich nehme
an, dass es dort als Bauholz verwendet wird“, sagt
Matthias Mennekes. Drei Teams mit etwa 15 Leuten arbeiten
rund um die Uhr im Elberndorftal.
„Viele sind extra aus Süddeutschland hier
herüber gekommen, erklärt der Revierleiter.
„Und natürlich sind wir auch froh, dass wir
unsere Forstamtsmitarbeiter haben, die hier hervorragende
Arbeit leisten.“ Im Schichtdienst gehen die Teams
zu Werke und bereiten die Stämme mit der Motorsäge
vor – für die Harvester-Maschinen. Peter Lemke
und Kollege Matthias Mennekes haben vorerst genug gesehen.
Mit den Geländewagen geht die Fahrt vom Zinser Rücken
ins Elberndorftal. Unterwegshält Matthias Mennekes
den Wagen an, deutet aus der Windschutzscheibe auf die
Schneisen, die der Sturm überallin die Natur geschlagen
hat. „Das wird uns noch einige Zeit beschäftigen.
Ich denke mal bis 2008 werden wir hier im Revier zu tun
haben.“ Der Revierleiter tritt aufs Gas, schaut
nach rechts: „Besonders schlimm ist es, dass es
diese jungen Buchenbestände hier erwischt hat. Schließlich
waren die erst 89 oder 90 Jahre alt.“
Die Fahrt geht weiter. Überall zeigt sich das gleiche
Bild der Verwüstung, „auch diesen 140-jährigen
Fichtenbestand hat es getroffen“, erklärt der
Revierleiter. Man sei zurzeit auch dabei, den Rothaarsteig
wieder frei zu rücken. „Bei uns im Revier gehen
die Arbeiten diesbezüglich gut voran, aber ich weiß
nicht, wie es momentan mit den privaten Waldbesitzern
aussieht, durch deren Gebiete der Wanderweg führt.“
Peter Lemke und Matthias Mennekes sind im Elberndorftal
angekommen. Hier werden sie gerade Zeuge einer Holzverladung.
Gerade schwenkt der Kranarm eines langholztransport-Lkw
mit zwei mächtigen Baumstämmen zur Seite und
lädt das tonnenschwere Material auf den Überseecontainer.
„Im ersten halben Jahr werden wir wohl etwa 5000
Festmeter für Indien aufarbeiten“, erklärt
Peter Lemke. Für die zweite Jahreshälfte seien
bereits Folge-Verträge abgeschlossen worden, die
noch einmal 5000 Festmeter betreffen.
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Revierleiter Matthias Mennekes
wirft einen prüfenden Blick auf die bearbeiteten
Stämme. Die Aufarbeitung der Kyrill-Schäden
geht zügig voran. |
Mehrere Tonnen Holz fast spielerisch in Bewegeung:
Hier verlädt gerade ein Langholztransport- Lkw
aufgearbeitete Stämme auf den Überseecontainer. |
„Das ist aber insgesamt gesehen nur ein geringer
Teil der Mengen, die Kyrill zerstört hat. 100 000
Festmeter Holz haben wir generell schon im Forstamtsgebiet
Hilchenbach aufgearbeitet.“ Viele Stämme landen
im Nasslager, andere werden zu Sägewerken in Süddeutschland
abtransportiert. „Und wir haben natürlich auch
noch unsere privaten Stammkunden“, so Matthias Mennekes.
Die Aufarbeitung des Ganzen bereite im Grunde keinerlei
Probleme, „der Engpass liegt aber auf der logistischen
Seite“, so Peter Lemke. Es fehle einfach an genügend
Kapazitäten, das Holz aus dem Wald zu transportieren.
„Deshalb ist der Kontakt mit Indien im Grunde ein
Segen für uns.“ Dem kann auch Matthias Mennekes
nur zustimmen: „Wir sind über jeden Container
froh, den wir hier aus dem Wald fahren können“,
sagt er.
Seit Freitag sind die Arbeiten im Forstrevier Elberndorf
angelaufen. Zehn Container mit insgesamt 250 Festmetern
Holz befinden sich seit gestern auf dem Weg nach Indien.
Und die Maschinen in den heimischen Wäldern ruhen
nicht, im Gegenteil: „Wir werden uns ranhalten und
hoffen, dass wir bis zum Käferflug eine große
Menge Holz aus dem Wald geschafft haben“, sagt Matthias
Mennekes. „Hoffen wir, dass uns das gelingt.“
Aus der Siegener Zeitung vom 10.03.2007
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