"Dann ist die Burg noch besser zu sehen"
Start der Durchforstungsaktion in Freudenberg - Bereich
oberhalb der Bebauung wird komplett geräumt
War
es am Montag strahlender Sonnenschein, bei dem die Waldarbeiter
der Firma Hess aus Kirchzell die Durchforstungsaktion
am Burgberg in Freudenberg aufnahm, so hatten sie am Dienstag
mit Regen zu kämpfen. Trotzdem soll in etwa zweieinhalb
Wochen der Hang unterhalb Burg auf einer Länge von
250 Metern durchforstet und der Bereich unmittelbar oberhalb
der Bebauung komplett geräumt sein.
Rote und grüne Bändchen zeigen den Waldarbeitern,
was zu tun ist. »Grün bedeutet, dass diese
Bäume unbedingt stehen bleiben müssen, Rot bedeutet
Fällen«, erklärt Revierleiter Lars Kaller
beim Blick in den Wald von seinem Standort unterhalb der
Ruine in den Burgberg aus.
Neben ihm steht ein Schlepper, und von der Winde wird
ein Stahlseil den Hang hinunter gezogen. Etwas weiter
unten im Berg fällt gerade krachend ein Baum um und
reißt zwei kleinere mit. »Die Bäume ohne
Bändchen sollen stehen bleiben, aber der eine oder
andere wird bei den Fällarbeiten in Mitleidenschaft
gezogen werden«, beschreibt der Revierleiter eine
dritte Kategorie.
Ein Baum nach dem anderen wird in dem steilen Gelände
mit der Kettensäge gefällt, komplett an das
Stahlseil gehängt und hochgezogen. Oben angelangt,
bringt der Schlepper den Baum zum nicht weit entfernten
Lagerplatz, wo er entastet und auf ein handlicheres Format
zugeschnitten wird, bevor ein weiterer Schlepper die Bäume
zum Abtransport an den Rand des Burgweges bringt. Rund
500 Bäume habe er oberhalb der so genannten Kegelbahn,
wie ein Weg im Hang genannt wird, mit roten Bändchen
markiert, umschreibt Revierleiter Kaller die Durchforstungsaktion
in diesem Bereich.
»Parkartiger Charakter«
Weil die kompletten Bäume aus dem Gelände herausgerückt
würden und weder Reisig noch Äste liegen blieben,
werde nach der Aktion der parkartige Charakter des Geländes
wieder erkennbar, ist er überzeugt, und Bürgermeister
Heinz Hofmann hatte in der Gemeinderatssitzung bereits
den »positiven Nebeneffekt« der Aktion umrissen:
»Dann ist die Burg noch besser zu sehen.«
Optisch werde der Berg im nächsten Jahr sicher nicht
besonders toll aussehen. Aber wenn in spätestens
zwei Jahren der Hang durch Stockausschläge wieder
begrünt sei, geht Hofmann davon aus, dass auch die
Kritiker verstummt sein werden.
Unterhalb der »Kegelbahn« müssen alle
Bäume als Verkehrssicherungsmaßnahme gefällt
werden. »Falls einer davon umfallen würde,
würde er auf den Häusern landen«, ist
Kaller sicher. Die Bäume hätten sich bereits
verdächtig nach unten geneigt. Positiver Nebeneffekt
dieser Aktion für die Hausbesitzer sei, dass die
Häuser mehr Licht abbekämen, ist der Bürgermeister
sicher. 25 der 35 Grundstückseigentümer hätten
sich der Aktion angeschlossen und ließen auf eigene
Kosten zu groß geratene Bäume auf ihrem jeweiligen
Areal von den Experten fällen.
Dass
die Männer der Firma Hess Spezialisten auf ihrem
Gebiet sind, können sie gerade im unteren Bereich
unter Beweis stellen. Der größte Teil der Bäume
werde mit dem Stahlseil und einer Umlenkrolle beim Fällen
quer zum Hang gelegt. Wo das nicht möglich sei, müssten
die Bäume stückweise von oben her abgesägt
werden, erklärt der Revierleiter. Zur Sicherung vor
Steinschlag lasse man einen etwas höheren Stumpf
stehen und lege dahinter einige Stämme quer, beschreibt
er die Maßnahme.
26500 Euro bleiben an Stadt hängen
Aus dem Hang werde Eichen- und Buchen-Industrieholz sowie
Parkettholz geerntet, erklärt der Revierleiter. Den
voraussichtlichen Erlös für den Verkauf des
Holzes habe der Unternehmer bei seinem Angebot bereits
einkalkuliert, so dass für die Kommune Kosten in
Höhe von rund 26500 Euro übrig blieben.
»Ob wir wollen oder nicht, wir müssen mindestens
30 Meter oberhalb der Bebauung die Bäume zurücknehmen«,
beschreibt der Bürgermeister die weitere Vorgehensweise
- soll heißen, in den kommenden Jahren wird auch
der Rest des Hanges durchgearbeitet.
Peter Riffenach - Wertheimer Zeitung
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