Holzverwertung - Brennholz selber machen
Brennholz wird immer begehrlicher. Mit dem rasanten Preisanstieg
für die hierzulande im Privathaushalt meist verwendeten
Brennstoffe Heizöl und Erdgas, aber auch Strom, ging
in den letzten Monaten die Rückbesinnung auf die
Ressource Holz einher. Fahren Autos bald wieder mit Holzvergaser-Motoren?
Wer den Heizwert verschiedener Holzarten mit dem von Heizöl
und Erdgas vergleicht kann für sich leicht ermitteln,
wie viel Holz er benötigt, um seinen Brennstoffbedarf
durch Holz zu ersetzen. Aber Vorsicht! Angebot und Nachfrage
regeln auch hier den Preis! Inzwischen sprechen interne
Regelungen in den Baden-Württembergischen Forstämtern
bereits davon, die Preise für den Festmeter Brennholz
Buche (Langholz gerückt, ab Wegrand) für 2007
bei mindestens 45 Euro festzulegen. Es kommt also zunehmend
auf den spitzen Bleistift an.
Dabei ist es aber irrig, allein den kaloriemetrischen
Heizwert verschiedener Brennstoffe miteinander zu vergleichen.
Ausgehend vom Selbstwerber, muss dieser das Langholz schließlich
zunächst einmal aus dem Wald herausbringen. Das kann
er selber leisten oder per Fuhrunternehmen erledigen lassen.
Ein Langholztransporter lädt bis zu 25 Festmeter.
Je nach Aufwand und benötigten Fahrtkilometern, liegen
die Transportkosten im unteren dreistelligen Eurobereich.
Dann liegt jedoch das Holz erst vor der Haustür und
ist noch nicht verschafft. Wer es so bezogen hat, findet
es vielleicht bereits abgelängt auf ein, zwei oder
vier Meter vor.
In der Regel aber muss es nach der Anlieferung auf einen
Meter Länge geschnitten sowie gespalten werden. Als
geviertelte Meterscheite wird das Brennholz dann für
die Trocknung gelagert, um danach erforderlichenfalls
auf Ofenmaß geschnitten und ggf. abermals gespalten
zu werden. Drei Scheite zu gut 30 Zentimeter Maß
geschnitten, müssen dann pro Langscheit verräumt
werden. Erst jetzt beginnt nach dem langen Weg des Brennholzes
aus dem Wald der nur noch kurze Weg in die Feuerung. Wer
all die Arbeiten extern von Dienstleister erledigen lässt,
bezahlt dann für den Schüttraummeter (also den
Festmeter mit deutlichen „Lücken“) Brennholz
Buche, in Scheiten, um die 60 Euro.
Gleichwohl ist das „Holz machen“ hierzulande
so etwas wie ein Volkssport geworden. Körperliche
Ertüchtigung in Ehren – aber nicht jeder schaut
auf die ernüchternden Kosten. Denn die Gerätschaften,
Werkzeuge und Ausstattungen für das Brennholz sind
nicht in jedem Haushalt gegeben und können oft auch
nicht im Lebensumfeld ausgeliehen werden – es bedarf
ihrer Anschaffung.
Ebenfalls selten berücksichtigt ist der Faktor Arbeitszeit.
Einen Zug Langholz in geviertelte Meterscheite zu verwandeln,
erfordert – je nach Einübung und Arbeitsfluss
– die Mitarbeit von vier kräftigen Personen:
zwei längen ab auf einen Meter, zwei spalten und
verräumen in die Arge. Jede weitere helfende Hand
ist bei der Schweiß treibenden Arbeit gerne gesehen!
Eigener Erfahrungswert: Für die Arbeiten in der genannten
Konstellation werden dann zwei bis drei Samstage pro Langholzzug
benötigt. Den unteren Wert angenommen, fallen rund
2 x 8 Akh x 4 Ak an: 64 Arbeitsstunden (bei drei Arbeitstagen;
für Ungeübte wären das 96 Stunden an vier
Tagen).
In der Praxis unbeachtet, aber für die Überlegung
sinnvoll: Nähme man einen kalkulatorischen Lohnansatz
von nur fünf Euro pro Arbeitsstunde an, ergäben
das kalkulatorische Zusatzkosten von 320 bis 480 Euro.
Und schon behaupten böse Zungen, dass der Preis für
Brennholz dann wieder sinkt, wenn viele nach erster Euphorie
begriffen haben, das „Holz machen“ echte Arbeit
ist – und Geld kostet. Forstbehörden sollen
in einer internen Vollkostenrechnung jedoch behauptet
haben, dass die Raummeterkosten für Brennholz angeblich
bei bis zu 177 Euro liegen dürften, um noch mit Heizöl/Erdgas
mithalten zu können … Oder nur ein Strategiepapier
á la „mit 60 Euro sind wir noch billig“?
Um es deutlich zu sagen: Endlich sind wir an dem Punkt
angekommen, von dem ab sich die Waldpflege auch für
den kleineren Waldbesitzer auf Grund akzeptabler Holzpreise
wieder rechnet. Die ehrliche Gesamtbetrachtung über
alle Kosten hinweg tut dem letztlich keinen Abbruch. Denn:
Die „Eintagsfliegen“ unter den Brennholzbegeisterten
wandern so oder so als erste ab – und ersetzen lieber
eigene Arbeit durch Kapital …
Für all diejenigen, die Brennholz gerne selber machen:
Welche Gerätschaften sind sinnvoll oder werden gar
benötigt, um die Zurichtung von bereits gefälltem
Brennholz zügig von der Hand gehen zu lassen? Dazu
zunächst drei bedeutende Tipps, gefolgt von einige
Werkzeug- und Gerätebeispielen:
Zunächst einlesen: Wer gut informiert
ist, handelt geschickter. Wir sind bei der Recherche zu
unserer Brennholz-Artikelserie auf das Büchlein von
Hans-Peter Ebert mit dem Titel „Heizen mit Holz
in allen Ofenarten“ gestoßen. Ebert ist Diplom-Forstwirt
und Professor an der Hochschule für Forstwirtschaft
in Rottenburg. Das Buch gibt hochwertige Praxistipps vom
Brennholzkauf bis hin zur Brennholzverarbeitung und Lagerung.
Es informiert weiterhin über verschiedene Holzofentypen,
vom Kaminofen über den Kachelofen bis hin zu automatischen
Holzheizungen. Der Ratgeber hat inzwischen elf Auflagen
erreicht. ISBN-Nr.:3-936896-21-6 (von Dolmar, www.dolmar.de
).
Zunächst einarbeiten: Sind Sie
guten Glaubens, dass zu fällende Bäume mit einer
Kettensäge umgeschnitten werden? Dann ist ein Kettensägen-Schnittkurs
umso wichtiger für Sie – zu Ihrer eigenen Sicherheit.
Denn darin erfahren Sie, dass Bäume zwar mit Fallkerbe
und Fällschnitt angeschnitten, letztlich aber „umgekeilt“
werden. Ein ohne lenkende Bruchkante „tot geschnittener
Baum“ ist ein unkalkulierbares Lebensrisiko! - Auspacken
und loslegen, so einfach ist es nicht, wenn sich jemand
mit einer Kettensäge ausrüstet. Kettensägen
sind Kraftpakete, die es mit höchster Vorsicht zu
bedienen gilt. Stihl arbeitet mit Baden-Württembergischen
Forstämtern zusammen, die Kettensägen-Übungsplätze
unterhalten. Dort können Laien unter professioneller
Waldarbeiterbetreuung, ausgestattet mit Profi-Schutz und
Profi-Gerät, den korrekten Umgang mit der Kettensäge
erlernen. Bäume richtig fällen, Stammholz richtig
ablängen und sogar unter Spannung stehenden Windwurf
sicher sägen – wer die Kurse absolviert hat,
hat auch den nötigen Respekt zum Gerät erlernt.
Respekt, der ihm den Leichtsinn genommen, dafür aber
womöglich Gliedmaßen erhalten hat …
„Safety first“: Wer da denkt
„es wird schon gut gehen“, handelt unverantwortlich!
Noch bevor eine Kettensäge gekauft wird, sollte zunächst
die Sicherheitsausstattung angeschafft werden. Sie besteht
aus Schnittschutzhose gemäß DIN EN 381, Schutzhelm
mit Visier und Gehörschutz nach DIN EN 397 und Schutzhandschuhen.
Bei Dolmar als „Safety Starter Set“, dem Schnittschutzkleidungs-Set
für Starter zu haben.
Auch Schutzschuhe mit Stahlkappen und Stahlsohlen bzw.
Sicherheitsgummistiefel für Motorsägenführer
gemäß DIN EN sind empfohlen. Umfangreiches
Sicherheitszubehör von Beinlingen bis Helmsets und
Schnürstiefeln auch bei stihl.de.
Nützliche Geräte und Werkzeuge für Brennholsmacher:
Reißmeter: Eine solche Messschiene,
hier aus geschliffenem Buchenholz und lackiert, ist 100
cm lang und in Dezimeter eingeteilt. Eine Seite ist angespitzt,
die andere hat einen zweischneidigen, winkelförmigen
Reißer. Mit ihm wird das Rundholz auf Meterlänge
angerissen. Die Markierung verhilft zu gleichlangen Rundholzstücken,
die später drei ofentaugliche 33 cm-Scheite ergeben.
(gesehen bei Dolmar)
Spaltaxt: Anders als eine normale Axt,
besitzt diese zwei seitlich angebrachte Spaltkeile. Die
Spaltwirkung des Werkzeuges ist dadurch markant verbessert.
Das 1.700 Gramm schwere Gerät erleichtert das Holzspalten
spürbar. Der 80 cm lange Kuhfuß-Stiel aus Hickoryholz
ist spezialgehärtet und im Schaft der geschmiedeten
Spaltaxt durch Ringkeil gesichert. (von Krumpholz, www.Krumpholz-werkzeuge.de)
Eurospalter: Dieses 3.800 Gramm schwere
Spaltgerät ist für bereits stärkeres Rundholz
gut geeignet. Der Kraftprotz entwickelt massivere Spaltkräfte,
nicht zuletzt auch wegen seines längeren, nämlich
90 cm langen Stiels. Der ist aus bruchfestem Glasfasermaterial
gearbeitet und so im Eurospalter verankert, dass er nicht
aus ihm hinaus gleiten kann. (von Krumpholz)
Drehspaltkeil: Auch stärkstes Rundholz
zu spalten, dazu hilft dieser Spezialkeil. Er ist so geschmiedet,
dass ihn jeder Hieb nicht nur tiefer in das Holz eindringen
lässt, sondern dass die Kraft gleichzeitig wie in
einen Drehimpuls umgeleitet wird, der das Holz noch weiter
auseinander treibt. Ein hilfreiches Gerät. (von Krumpholz)
Smart holder: Ein praktisches Gerät
zum Zerkleinern von Langscheiten. Die Meterscheite können
in diesen Sägebock eingespannt werden und ragen dann
frei aus ihm hinaus. Mit der Kettensäge werden dann
die Kurzscheite geschnitten. Der smart holder ist mit
einem kleinen Handgriff auf unterschiedliche Scheitdicken
einstellbar: sicheres Einspannen von Rundholz, Kantholz
und Brettern von 25 mm bis 230 mm. Weil der smart holder
im Gegensatz zu herkömmlichen Sägeböcken
keine zwei Auflagepunkte hat, lässt sich das Holz
deutlich leichter sägen. Eine Entwicklung aus Schweden,
gesehen bei logosol, www.logosol.de)
Smart splitter: Ein neuartiges Gerät
aus Schweden, das zum Spalten von Scheiten verwendet wird.
Dazu wird der smart splitter auf den Hauklotz montiert.
An seiner Längsachse befindet sich der Spaltkeil,
der mit Wucht von oben nach unten geworfen wird –
wo er das Scheit spaltet. An der Werkzeugspitze setzt
der Smart-Splitter bis zu 14 Tonnen Kraft frei. Das zertrennt
fingerdicke Drahtseile mit Leichtigkeit, wie auf einer
Fachmesse zu erleben war. Was also spielend leicht wirkt
sowie „Rücken und Gelenke schont“, so
der Hersteller, gehört im Gebrauch unter kindersicheren
Verschluss! (von logosol)
Holzfeuchte-Messgerät: Wann das
Brennholz nach etwa ein- bis zweijähriger Lagerung
hinlänglich heiztrocken ist, lässt sich mit
diesem praktischen Gerät ermitteln. Ist das Holz
zu feucht (Restfeuchte sollte unter 20, besser unter 16
Prozent liegen), benötigen Sie leicht die doppelte
Holzmenge! Bei 20 Prozent Feuchte z. B. liegt der Heizwert
bei ca. 5 kW pro Kilo Holz, bei 60 % sind es ca. 2,6 kW
– die Hälfte!
Und: zu feuchtes Holz senkt die Verbrennungstemperatur.
Die Folge: verstärkte Ruß- und Teerbildung,
bis hin zu Kaminversottung und Kaminbrand! Der MM-100
zeigt mit LEDs den Messbereich von 8-22 Prozent Holzfeuchte
an und hilft durch bessere Beurteilungsmöglichkeit,
Heizwertverluste zu vermeiden. Gleichzeitig ein günstiges
Kontrollgerät, um die zugesagte Qualität von
Brennholz bei seiner Anlieferung zu überprüfen!
(von Dolmar)
Ergänzend dazu, einige kraftsparende Maschinenbeispiele:
Elektro-Wippkreissäge: Ein praktisches
Elektrogerät zum Zersägen von Langscheiten zu
Scheiten in Ofenlänge. Das Scheit wird auf den Winkelstahl
gelegt und über eine Wippbewegung dem Sägeblatt
zugeführt. Die Arbeit verläuft dadurch relativ
ermüdungsarm. Beim CS-7070 (von Dolmar) liegt die
Schnitttiefe bei 260 mm. Der 400 V-Motor leistet 7 kW.
Wippsägen sind eine lohnende Anschaffung für
Vielsäger, wie auch eine Gemeinschaftsinvestition
für miteinander arbeitende Selbstwerber.
Elektro-Holzspalter: Wer nicht mehr
ganz so gut bei Kräften ist oder es sich schlichtweg
einfach machen will, dem kann der Holzspalter Dolmar LS-6004
H gute Dienste tun. Das Gerät leistet mit einem 400
V-Motor 3 kW Leistung, was einer Spaltkraft von sechs
Tonnen entspricht. Der horizontale Spaltweg verfügt
über eine stufenlose Spalthubverstellung und einen
integrierten Schnellrücklauf. Die Zweihandbedienung
dient der höheren Sicherheit. (von Dolmar)
Elektro-Motorsäge: Der 230 V-Motor
der Dolmar ES-163 A erzeugt 1.900 Watt Leistung am 35
cm-Kettenblatt. Das Elektrogerät ist für den
Einsatz rund um Heim und Garten dimensioniert und für
den Brennholzeinsatz daheim gut geeignet. Ausgestattet
mit automatischer Kettenbremse, automatischer Schmierung
und werkzeuglosem Kettenspanner. (von Dolmar)
Einsteiger-Motorsäge: Das Gerät
MS 170 empfiehlt der Waiblinger Hersteller als typische
Einsteigermodell zum Brennholzschneiden und zum Bauen
mit Holz. Seine Technik ist aus Profigeräten abgeleitet.
So ist es nicht nur mit Kompensator, Kettenbremse und
Kettenschmiersystem ausgestattet, sondern auch mit einem
Antivibrationssystem – was jeder zu schätzen
weiß, der schon mal länger mit Motorkettensägen
gearbeitet hat. Wichtiges Auswahlkriterium einer Motorkettensäge
ist das so genannte Leistungsgewicht. Es setzt das Gerätegewicht
in das Verhältnis pro Kilowatt Leistung. Für
die MS 170 sind es 3,0 kg/kW; Schnittlänge 30 cm.
(von Stihl)
Kompakt-Motorsäge: Die MS 230 C-BE
als Motorsäge der Kompaktklasse eignet sich für
viele Arbeiten rund um Haus, Hof und Garten – eben
auch für´s Brennholzschneiden. Ihr wirkungsvoller
ErgoStarter bedeutet einen höheren Startkomfort.
Mit ihm lässt sich der leistungsstarke Zweitaktmotoren
(2 kW) mühelos und ruckfrei anwerfen: Ein ruhiger,
gleichmäßiger Zug am Anwerfseil reicht aus
und der Motor springt an. Leistungsgewicht: 2,45 kg/kW,
Schnittlängen 30 oder 35 cm. (von Stihl)
High Tech-Motorsäge: Die MS 280-I
verfügt als weltweit erste Motorsäge über
ein intelligentes Motormanagement. Ihr „Geheimnis“
der serienmäßigen Intelligenz ist ein im Zündmodul
integrierter Mikroprozessor. Er überwacht die Motordrehzahl
und regelt das Öffnen und Schließen eines Magnetventils
im Vergaser. Der Motor bekommt dadurch immer das richtige
Gemisch und bringt stets eine optimale Leistung bei konstanter
Höchstdrehzahl. Fehleinstellungen gehören so
der Vergangenheit an, und damit auch durch eine falsche
Vergasereinstellung bedingte Schäden und Ausfallzeiten.
Leistungsgewicht: 1,9 kg/kW, Schnittlängen 37 oder
40 cm. (von Stihl)
Hohe Brennholzkosten – die wahren Hintergründe
Karlheinz
Hess ist Forstdienstleister, der in ganz Baden-Württemberg
und darüber hinaus tätig ist (www.hess-forst.de;
www.hess-garten.de).
Er sagt: „Die Ölpreiserhöhung macht
Brennholz vordergründig interessant.“
Die höhere Nachfrage ist aber nicht allein
darin begründet. Hess begründet die steigenden
Holzpreise und die inzwischen sogar Holzknappheit
damit, dass vor allem seitens der Industrie eine
wesentlich höhere Nachfrage nach Schwachholz
herrscht, wie es vor allem für Möbel,
Spanplatten, Hackschnitzel, Heizkraftwerke, Pellets
benötigt wird. Gerade die Zunahme der Lieferungen
von Spanplatten nach Osteuropa (von wo sie als Möbel
zu uns zurückkommen) und der erhöhte Bedarf
der Papierindustrie hat die Holzpreise stark steigen
lassen. „Die erhöhte Nachfrage nach Brennholz
ist das kleinstes Problem“, sagt Hess.
Der tatsächliche Holzbedarf ist inzwischen
so groß, dass über die Aufforstung von
landwirtschaftlichen Brachflächen mit reinem
Energieholz diskutiert wird, vor allem mit Schwarzpappel-Hybriden,
die binnen 20 Jahren hiebreif werden. Seit sogar
Russland seine Hackschnitzel lieber selber für
die Papierherstellung verwendet, ist auch diese
Import-Energiequelle versiegt. Hackschnitzel werden
inzwischen schiffsladungsweise aus Südamerika
herangebracht ….
Heizen mit Holz – die verkannten Dimensionen
Ebenfalls als vordergründig beurteilt, sieht
Hess die öffentlichen Diskussionen um regionale
Holzheizkraftwerke an und rechnet die tatsächlichen
Dimensionen vor: „Natürlich ist es grundsätzlich
richtig, CO2–neutrale Energieerzeugung zu
favorisieren. Nur: Ein kleineres Heizkraftwerk benötigt
etwa 200.000 Festmeter Brennholz pro Jahr. Der Flächenzuwachs
an Holz pro Hektar ist – über verschiedene
Holzarten und Wachstumsbedingungen hinweg –
mit zehn Festmetern pro Jahr gut gerechnet. Acht
Festmeter davon fallen für die höhere
Verwendung (Bauholz etc.) an, und um die restlichen
20 Prozent streiten sich die Konzerne (s.o.). In
einem Landkreis mit mittlerem bis hohem Waldbesitz
fallen etwa 100-200.000 Festmeter Hiebholz jährlich
an. Statt der gerundeten 20 Prozent davon, müsste
ein Landkreis also das alles verheizen und damit
auf die Erträge aus Holzverkauf verzichten
– und sogar noch Holz zukaufen, um seinen
Bedarf zu decken.“
Pro Forst
Kurzfristig bedeuten die höheren Erträge
aus dem Holzabsatz für Waldbesitzer bessere
Pflegeerfolge. Karlheinz Hess sieht aber auch langfristig
positive Effekte für den Wald: „Mit den
Brennholzselbstwerbern und Reisiglösern bringen
wir das Interesse der Bevölkerung wieder in
den Wald. Es ändert sich die allgemeine Einstellung
zum Forst. Über das Holz hinaus, werden seine
weiteren Wertigkeiten wieder entdeckt: Erholungswert,
Naturschutz, Luftreinigung, Wasserhaushalt, Bodenschutz,
Regionalklima. Überall dort, wo Menschen „unseren
Wald in unserer Region“ für sich entdecken.“
Hess sieht hier das Potenzial für „echte
Nachhaltigkeit“ wachsen – Nachhaltigkeit
im Bewusstsein der Bevölkerung. Er verankert
genau das im Baden-Württembergischen Nachbarlandkreis
Miltenberg auf seine Weise. In seinen ausgebuchten
Kettensägen-Schnittkursen lehrt er die Teilnehmer,
unter Anleitungen ein kleines Waldstück zu
pflegen. Die Teilnehmer des „Events“
lernen wieder den Umgang mit dem Wald kennen und
entdecken ihn als ihr Eigenes. On Top bekommen Sie
nach Kursende noch das obligatorische Vesper sowie
das anfallende Brennholz. Hess: „Sie tun etwas
Gutes und lernen noch dabei.“
Mit seiner Idee „Pro Forst“ geht er
dann noch einen Schritt weiter: Er bindet Unternehmen
in ein regionales Waldsponsoring ein. Dabei verknüpft
er die regionale Waldbedeutung mit den regionalen
Nachhaltigkeitsinteressen von Handwerks-, Dienstleistungs-
und Industrieunternehmen. Vorteil für die Unternehmen:
Sie werben mit ihrem regionalen Engagement bei Regiokunden.
Vorteil für den Forst: Zusatzeinnahmen für
sonst nicht finanzierbare Pflegemaßnahmen
und Zukunftssicherung.
Karlheinz Hess: „Warum am Weltspartag Sparschweine
verschenken? Wir arbeiten mit der regionalen Sparkasse
Miltenberg-Obernburg zusammen und veranstalten stattdessen
für die Kinder und ihre Familien Baumpflanzaktionen.
An „ihren“ Bäumen erleben sie dann
Jahrzehnte lang, wie Werte wachsen …“. |
Zeitung "Obst und Garten" ( Engelbert
Kötter )
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